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sturmtoben -
in klingende stille eingehüllt
mein schlaflied
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tagebuchnotiz

gestern abend
in dem buch gelesen
das ich gern selbst geschrieben

hätte

von farben

unter laub bäumen
wandeln bis der winter kommt
mit seinem weißen tuch
vorüber gehend
die spindeldürren äste bekleidet
ohne zu fragen ob sie
weiß mögen oder lieber weiter
magersüchtig
in den himmel ragen möchten
braun in grau

grün ist die erste qual
im frühling
blond und blauäugig der sommer
wenn er denn kommt
und rot -
rostrot ist die liebe im herbst


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Kälteeinbruch
Ich hülle meine Hoffnung
In warme Wolle

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ehrliches flickwerk


ehrliches flickwerk
soll uns genügen
alles andere ist nur
schöner schein

buntes flickwerk
meinetwegen
grau ist nicht wirklich
ein farbe obwohl ...

grau ist immer gut
für tage an denen
wir nicht gesehen werden
wollen

weil uns die welt
zu nahe kommt
mit ihren grellen
farben


paula (an paula modersohn-becker)

ins flirrende paris
bist du gegangen
um dich zu leben

dich zu feiern

dein spiegelbild
du von dir selbst
gebannt auf leinwand

zu befreien

schwer und doch leicht
trägst du die kette
um den bloßen hals

du scheinst

befreit und doch
noch immer in den fesseln
einer frau

dein blick
ist unverwandt gerichtet
in dich selbst

zu früh holt dich
dein schicksal
wieder ein




Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag


kein anschluss

kein anschluss
unter dieser nummer
nur schweigen
stille

die zeit
stehen geblieben
gefühle
eingefroren

wohin mit
den fragen die
offen bleiben
in alle zukunft